Aquarien-und Terrarienfreunde Emden e.V.
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Meine Erfahrung mit Aphyolebias peruensis"Yarina Cocha"

 

Meine Erfahrungen mit Aphyolebias peruensis „Yarina Cocha“

Als ich nach langen Jahren der Abstinenz die Februarversammlung 2006 der DKG Regionalgruppe Nord wieder einmal besuchte, wurden dort unter anderem auch A. peruensis „Yarina Cocha“  angeboten. Da ich schon etwas länger mit den Vertretern der Gattung Aphyolebias liebäugelte musste ich nicht lange überlegen und ein Paar dieser schönen Peru- Schleierkärpflinge, so der Deutsche Name, wechselte den Besitzer.
Aphyolebias peruensis gehört zu den Südamerikanischen Saisonfischen. Das Vorkommen in der Natur liegt in Peru in der Provinz Loreto, oberes Stromgebiet des Amazonas um Iquitos und südlich davon. Dort bewohnt diese Art kleine saisonal austrocknende Bäche, Teiche und Tümpel.
Zuhause angekommen bezogen die beiden ein 20 Liter Kunststoffbecken. Die Einrichtung bestand aus einem Plastikbehälter zum Ablaichen, einem Heizstab und einem Luftbetriebenen Schaumstofffilter. Den Bodengrund bedeckte eine dünne Schicht Aquarienkies. Als Ablaichsubstrat gab ich ein Gemisch aus Torf, Torffasern und Kokostorf. Dieses wurde gut durchmengt in den Ablaichbehälter gegeben. Die Höhe des Substrates war ca. 10 cm, da die Schleierkärpflinge während des Laichens vollständig in den Bodengrund abtauchen Das Becken wurde nicht extra beleuchtet, sondern musste mit Tageslicht auskommen. Zu den Wasserwerten kann ich keine Aussage machen, da diese bei mir nicht gemessen werden. Ich mische Regen- mit Leitungswasser. Das Mischungsverhältnis liegt bei einem Teil Regenwasser zu zwei Teilen Leitungswasser. Die Wassertemperatur wurde auf 24°C eingestellt.
Mein Pärchen A. peruensis fühlte sich bei diesen Bedingungen recht wohl. Sie zeigten sich allerdings nicht viel, sondern versteckten sich hinter dem Ablaichbehälter. Nur zum fressen kamen sie aus ihrem Versteck. Ansonsten waren die beiden nicht gerade aktive Schwimmer. An Nahrung reichte ich ihnen gefrorenen Mückenlarven, die sie ohne Probleme fraßen.
Balzaktionen konnte ich in dieser Zeit nicht feststellen. Trotzdem fanden sich nach Trockenlegung des Torfes einige Eier. Das Ablaichsubstrat gab ich in einen Plastikbeutel. Die Lagerzeit sollte nach Aussage von Frd. Ephan bei 5-6 Monaten liegen. Der Ablaichbehälter wurde mit neuem Torf ausgestattet und die Hoffnung auf erneutem „Eiersegen“ konnte von neuem beginnen.
Leider fehlte mir nach einigen Tagen das Männchen. Ich suchte das ganze Becken ab, konnte es aber nirgends entdecken. Gefunden habe ich es schließlich neben dem Aquarium als Trockenfisch. Die Abdeckung hatte eine kleine Öffnung für die Kabel und Schläuche der Aquarientechnik. Dieser Spalt wurde leider von meinem 1,0 Aphyolebias peruensis zur Flucht in den Tod genutzt. Damit war meine Schleierkärpflingszucht auch schon wieder beendet. Das verwitwete Weibchen vergesellschaftete ich mit einigen Nematolebias whitei.
Aber ich hatte ja noch den Torfansatz. Nach fünf Monaten ungeduldigen Wartens holte ich den TA hervor und goss ihn mit kühlem Wasser aus der Leitung auf. Am nächsten morgen konnte ich 12 neue Erdenbürger mit Namen Aphyolebias peruensis „Yarina Cocha“ in meiner Zuchtanlage begrüßen. Die Freude war natürlich groß. Jetzt durfte ich bei der Aufzucht nur keine Fehler machen. Den Torf legte ich wieder trocken um noch einen späteren Aufguss zu machen.
Die ganze Brut setzte ich in ein ca. 10 Liter fassendes Plasikbecken. Als Erstnahrung versorgte ich die kleinen Fische mit Mikrowürmchen. Ein paar Tage später kam noch gesiebtes Tümpelfutter hinzu, von dem ich in dieser Jahreszeit im Überfluss beschaffen konnte. Diese Wasserflöhe und Mückenlarven bildeten bis in den Winter hinein auch die Hauptnahrung meiner Aphyolebias peruensis. Die Umstellung auf Frostfutter hat in der Lebendfutterarmen Zeit keine Probleme ergeben. Den peruensis scheint es egal zu sein ob sie Lebendes oder Gefrorenes Futter nehmen.
Nach etwa 14 Tagen bezogen die Schleierkärpflinge ein 60 cm Becken. Ich musste schon genau hinsehen um die kleinen Fische in dem großen Aquarium überhaupt sehen zu können. Aber Dank des Selbstgefangenem Lebendfutters verlief die Entwicklung sehr zügig. Ich konnte den Fischen regelrecht beim Wachsen zugucken. Jeden Abend waren wieder einige Zentimeter hinzugekommen. Ein Männchen entwickelte sich leider zum Bauchrutscher und ein Weibchen wies eine Verformung des rechten Kiemendeckels auf. Zeichnet sich da eine Inzuchtdepression ab? Ein Männchen aus einem Aufguss der 4 Wochen später vorgenommen wurde hatte ebenfalls diesen abstehenden Kiemendeckel.
Das Verhalten der Fische unterschied sich grundlegend von dem der Elterntiere. Meine Jungen waren von Anfang an viel schwimmfreudiger. Nach erreichen der Geschlechtsreife waren Balzaktivitäten zu beobachten. Die Weibchen wurden angebalzt und zum Ablaichbehälter gelockt. Die Männlichen Fische drohten sich gegenseitig an. Alle Flossen wurden abgespreizt und die Kontrahenten schwammen nebeneinander her bis der Stärkere den Schwächeren verjagte. Zu ernsthaften Verletzungen kam es dabei nie. Nach Literaturangaben sollen bei einer Gemeinschaftshaltung mehrerer Männchen die Schwanzflossen nicht auszipfeln. Dies konnte ich bei meinen A. peruensis nicht feststellen. Ich erkläre mir die Abweichung im Verhalten mit der Anwesenheit einer dichten Oberflächenbepflanzung. Mit dem Lebendfutter wurden auch zwangsläufig Wasserlinsen eingeschleppt. Diese Abschirmung von oben scheint den Schleierkärpflingen sehr viel Sicherheit zu geben. Außerdem wurden in dem Becken Moorkienwurzeln, Tonröhren und Steine als Versteckplätze für unterlegene Tiere geschaffen.
Bemerken musste ich allerdings das die Aphyolebias peruensis sehr teritorial den Ablaichbehälter verteidigen. Soweit ich sehen konnte laichte immer ein einziges Männchen mit verschiedenen Weibchen an dieser Stelle ab. Wenn nicht Abgelaicht wurde verscheuchte der „Platzhirsch“ alle anderen Männchen aus der unmittelbaren Umgebung. Nachdem ich einen zweiten Behälter in das Aquarium gegeben hatte, bildete sich dort auch ein zweiter Revierinhaber aus. Ob die anderen Männchen auch einmal zum Zuge kamen, konnte ich nicht feststellen.

Die Vergesellschaftung mit anderen Arten war überhaupt kein Problem. Bisher wurden neben den peruensis noch Betta picta, Betta splendens, Parospromenus dayi und Tateurndina ocellicauda in diesem Becken gepflegt. Die B. picta und T. ocellicauda konnten ungestört ihrer Fortpflanzung nachgehen. Das kleine ocellicauda Männchen vertrieb sogar die viel größeren Schleierkärpflinge von seiner Höhle.

Thorsten Nanninga

 

 

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